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BUND fordert: Keine kostenlosen Retouren im Online-Handel

Laut dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) sei der Internethandel mit seinen vielen Warenrücksendungen für alle Bürger eine “enorme Belastung“. Deshalb möchte der BUND – ganz nach dem Verursacherprinzip – kostenlosen Retouren von Internetkäufen einen Riegel vorschieben. Klar, dass wir als Online-Händler die Forderung des BUND für ein paar eigene Gedanken aufgreifen.

“Verstopfte Straßen und durch Zustellfahrzeuge blockierte Fahrradwege. Unzählige LKW auf unseren Straßen …” dramatisiert der BUND die hinter dem Online-Handel stehende Logistik zu einem “Horrorszenario“. Unter einem so großen Wort verstehen wir etwas anderes. Wer täglich die Zeitung aufschlägt, weiß, wie gerne Journalisten dieses inflationär beliebte Bild von “Horror und Terror” zeichnen. Selbst harmlose Pausenhofrangeleien unter Grundschülern werden für Auflage und Aufmerksamkeit aufgeblasen. So stehen auf einmal Bagatellen verbal auf einer Stufe mit echten Katastrophen und Tragödien, wie etwa dem verheerenden Tsunami von 2004.

Der BUND sieht im Online-Handel mit seinen zahlreichen Warenrücksendungen die Ursache für ein Verkehrsaufkommen, das volle Straßen noch voller macht und zudem die Luft mit Abgasen verpestet.

Unumstritten ist, die Lieferungen der zahlreichen Online-Shops führen zu mehr Bewegung auf unseren Straßen. Aber wie sieht die klassische Einkaufswelt aus? Familie A fährt zum Einkaufen mit dem Auto in die Stadt, ihre Nachbarn – Familie B – auch und Familie C ebenfalls. Und wenn man das, was man im Laden sucht aber nicht findet (im Internet oft nur ein Mausklick entfernt) geht für alle die Einkaufsfahrt mit dem Auto weiter ins nächste, vielleicht sogar ins übernächste Geschäft.

Aber auch die Autos der drei Familien verstopfen Straßen und blasen Abgase aus dem Auspuff. Merkt man dann zuhause, dass die neu gekaufte Hose doch nicht so gut sitzt, passiert das gleiche wie beim E-Commerce: Rein ins Auto und zurück ins Geschäft. Um es mit den Worten des ostfriesischen Blödelbarden Otto zu sagen: “Sehen Sie einen Unterschied? Ich glaube nein …”

Ist es nicht sowohl für die Straßen als auch für unsere Umwelt sanfter, wenn EIN Transporter gleich MEHRERE Pakete in ein Wohngebiet liefert?

Dann ist noch das Gejammer über “verwaiste und verödete” Innenstädte. Wie sehen denn die meisten deutschen Innenstädte aus? Einfalt statt Vielfalt. Von Filialisten und Handelsketten bevölkerte Straßenbilder zwingen Kunden, erst einmal das Ortsschild zu lesen, damit sie wissen, in welcher Stadt sie überhaupt sind. Fußgängerzonen gleichen sich beinahe wie ein Ei dem anderen: Die gleichen Boutiken, Optiker, Handy-Läden, Fachmärkte und Discounter, von denen die meisten parallel auch einen Internet-Shop führen. Ist daran der Online-Handel schuld?

Wir meinen, im digitalen Zeitalter braucht es beides, den stationären Handel UND den Online-Handel. Jede Form hat Ihre Brechtigung, sowie bestimmte Vor- aber auch Nachteile. Doch leider wird hier – interessengesteuert? – gerne polarisiert, in dem man sich genau die Argumente rauspickt, die gerade passen, andere dagegen ausblendet.

Berechtigt ist das Argument, unüberlegte Käufe, bei denen die Retoure schon mit dem Bestellklick so gut wie feststeht, fördern das Verkehrsaufkommen. Aber muss man da gleich nach dem Gesetzgeber rufen? Wo bleibt die Eigenverantwortung. Es ist doch wie bei den berühmten 300 Metern zum sonntäglichen Brötchenholen. Der eine läuft, der andere fährt mit dem Auto. Werden deshalb die Brötchen für den Autofahrer mit einer Umweltabgabe belegt?